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Öffi Freizeittipp: Eintauchen in die bewegte Geschichte des Tiroler Oberlandes im Museum Schloss Landeck

Nächster Halt: Geschichtsstunde. Das Museum Schloss Landeck begeistert nicht nur mit kuriosen Schätzen wie etwa eine der größten Krippen Österreichs, der 6 Meter langen und 2 Meter tiefen "Zangerl-Krippe", sondern gibt auch Einblicke in die bewegte Geschichte des Tiroler Oberlandes.

Fotonachweis: Roman Huber Photo

Das im 13. Jahrhundert errichtete Schloss Landeck ist ein besonders sehenswertes Heimatmuseum. Lassen Sie sich bei der Dauerausstellung „Bleiben oder Gehen“ in die bewegte Vergangenheit des Tiroler Oberlandes entführen. Die Ausstellung zeigt vom Leben „in der Heimat“ und „in der Ferne“ und bietet überraschende Erkenntnisse und intensive Begegnungen mit Menschen und Schicksalen. Zwei Ausstellungen wollen wir hier kurz vorstellen:

 

Der Weg der Schwabenkinder

„Schwabenkinder“ - so nannte man Kinder aus Tirol, Vorarlberg, dem Vinschgau und Graubünden, die sich in Oberschwaben als Arbeitskräfte verdingen mussten. Alljährlich wanderten mehrere tausend Kinder und Jugendliche dorthin. Der Arbeitstag begann zwischen vier und sechs Uhr, in den Erntezeiten sogar noch früher, und dauerte bis in die Abendstunden. Die letzten „Schwabenkinder“ sind noch nach dem Ersten Weltkrieg nach Oberschwaben gewandert. Der Fließer Peter Hainz ist ein solches „Schwabenkind“ und seine Geschichte wurde dokumentiert und kann man im Museum nachverfolgen. 1887, mit zehn Jahren, ging er mit seiner Mutter zu Fuß über den Arlberg. Den einen Gulden, den die erst 4 Jahre zuvor eröffnete Arlbergbahn gekostet hätte, hat man sich nicht leisten können. Am Kindermarkt in Ravensburg wurden die Kinder dann an ihre neuen Herren verteilt. Diese Geschichten und noch viele weitere Infos zu den „Schwabenkinder“ kann man derzeit im Museum Schloss Landeck bestaunen. Heutzutage kann man sich solche Umstände gar nicht mehr vorstellen. Aus Not und Elend heraus und weil es einfach nicht genug zum Essen gab, musste man die Kinder ins Schwabenland schicken.

 

Die Jenischen - Leben auf der Straße

Die Jenischen teilten sich die Straße mit den Wanderhändlern und wandernden Handwerkern. Der Unterschied war, dass sie nie oder höchstens nur vorübergehend irgendwo ankamen. Der Karren war gleichzeitig Wohnung und Verkehrsmittel. Der mit einer negativen Konnotation behaftete Ausdruck und oft als Schimpfwort verwendete Begriff „Karner“ leitet sich davon ab. Ihren Lebensunterhalt bestritten die Jenischen meist mit Kesselflicken, Korbflechten oder dem Transport von Waren. Die Herkunft bzw. die Entstehung der Jenischen reicht ins 17. Jahrhundert zurück. Durch Missernten, Krieg und Teuerung kam es in vielen Gegenden zu Not und Elend. Als ob das schon nicht genügt hätte, kam es auch noch zu einer längeren Kälteperiode, die heute als „Kleine Eiszeit“ bekannt ist. Nachdem es nichts mehr zu teilen gab, tauschten viele ihr Elend mit dem Leben auf der Straße. Die Ärmsten der Armen waren aus der sozialen Ordnung herausgefallen. „Jenische“ bedeutet soviel wie „die Eingeweihten“ - da sie ihre eigene Sprache entwickelten. Eine andere Erklärung führt den Namen auf die „Jenseitigen“ - außerhalb der Gesellschaft - zurück.
Das Jenische ist eine besondere From der Sondersprache von Nichtsesshaften. Ein Soziolekt sozusagen, da es auf die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht hinweist. Durch die Entlehnung aus anderen Randsprachen wie Jiddisch oder Romanes und aus anderen romanischen Sprachen entwickelte sich allmählich eine eigene, schwer verständliche Sprache. Nicht wenige der Jenischen Ausdrücke etablierten sich mit der Zeit auch in den „normalen“
Dialekten. Wörter wie „Kohldampf“ für Hunger, „Hegel“ für Mann oder „verboschen“ für verkaufen sind geläufig.
Darüber hinaus gibt es im Schloss Landeck noch Ausstellungen über den berühmten Barockbaumeister Jakob Prantauer, welcher das Stift Melk errichtete, über Auswanderer und ihre Geschichten in der Neue Welt, wie beispielsweise dem Tiroler Dorf Pozuzo in Peru, über die Kriege im Tiroler Oberland zu Zeiten des Spanischen Erbfolgekriegs oder der Napoleonischen Kriege, und vieles mehr zu bestaunen.

 

Anfahrt mit den Öffis

Vom Bahnhof Landeck/Zams, wo man mit dem VVT Regiozug ankommt, fährt man mit dem Regiobus 1 bis nach Landeck Zentrum und geht von dort 5 Minuten zu Fuß hoch zum Schloss Landeck.

Es bleiben auch andere Buslinien im Zentrum von Landeck stehen - Am besten erkundigt man sich einfach in der VVT SmartRide App über die beste Verbindung.

Mehr zum Museum, den Ausstellungen und den Öffnungszeiten

Dieser Artikel wurde verfasst von Roman Huber. Schauen Sie auch einmal bei Roman vorbei für weitere spannende Beiträge und Fotostories: www.romanhuber.com.

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